Heute hat man in Aalen zur halben Stunde aus jeder Richtung kommend nach jeder Richtung Anschluß. Der IC zur vollen ungeraden Stunde ist mit dem IRE aus/nach Ulm vernetzt. Im Falle einer Realisierung von S21 wird in Zukunft der ICE aus Stuttgart keinen Anschluß nach Ulm mehr haben, dafür wird der ICE aus Nürnberg Anschluß an den IRE und den RE nach Ulm haben, die in 4 Minuten Abstand fahren. Die wunderbaren Züge zur vollen Stunde von Flughafen über Stuttgart werden keinerlei Anschlüße in Aalen vorfinden.
Der IRE fährt zur gleichen Zeitlage wie der RE von /nach Ulm. Effektiv verliert die Brenzbahn damit die Relationen zur vollen Stunde auf der Strecke Aalen-Oberkochen-Heidenheim.
Das Krux mit den Gleisen
SMA hat der Bahn bescheinigt, im Großen und Ganzen des Stresstest bestanden zu haben. In einem Detail ist der Fahrplan aber nicht fahrbar: In Aalen gibt es nicht genug Gleise. Der ICE Nürnberg-Zürich soll in Zukunft zur Minute 24 in Aalen halten. Zu diesem Zeitpunkt steht noch ein RE nach Stuttgart, der IRE nach Ulm, der RE nach Ulm, der RE nach Crailsheim und die RB nach Donauwörth in Aalen. Also insgesamt 6 Züge. Der Bahnhof Aalen hat aber nur 5 Gleise. SMA spricht das auf Seite 134 ihres Audits zum Stresstest an. Dort heißt es zum Bahnhof Aalen: „Gleisbelegung entspricht nicht der Realität. Annahmen zu optimistisch, da Konflikte im Südkopf vermieden werden“. Das klingt doch reichlich lapidar für so ein schwerwiegendes Problem. Da der Bahnhof Aalen nicht für die Belegung mit zwei Zügen gleichzeitig an einem Gleis ausgerüstet ist, wird wohl der IRE nach Ulm nicht mehr verkehren können!
Alle halbe Stunde nach Stuttgart
Ab 2017 sollen alle halbe Stunde moderne Regionalzüge nach Aalen fahren. Somit wird das Reisen für viele Menschen einfacher und attraktiver. Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwägen und Radfahrer profitieren durch die ebenerdigen Einstiege. Leider entfällt dafür für Radfahrer der beliebte IC Nürnberg-Karlsruhe.
Diese Verbesserung liegt in erster Linie daran, dass die Strecke im freien Wettbewerb vergeben wird und nicht mehr automatisch die Bahn die Strecke bedient. Das wiederum hat nichts mit dem Bauprojekt Stuttgart 21 zu tun. Im Gegenteil: Da die DB Netze viel Geld in den Ausbau des Bahnhofs investiert, wird sie danach die Entgelte für seine Benutzung erhöhen. Und das zahlt am Ende wieder das Land, das den Betrieb bezuschusst. So führt Stuttgart 21 dazu, dass das Land zu wenig Geld hat, um noch mehr Züge zu bestellen. Womöglich fehlt dadurch sogar das Geld, um auch am Wochenende und Abend die Züge alle halbe Stunde fahren zu lassen.
In 5:30h nach Hamburg
Nur fünfeinhalb Stunden dauert es mit dem Zug von Aalen nach Hamburg. Reine Fahrzeit. Doch weil die Anschlüsse schon heute nicht perfekt klappen, braucht man mindestens sechs Stunden.
Nun soll mit Stuttgart 21 Aalen an das ICE-Netz angeschlossen werden. Man könnte hoffen, dass dadurch diese Situation besser wird. Nur leider verrät der Fahrplan, den die Bahn für die Zeit nach dem Bau von Stuttgart 21 vorgelegt hat, etwas anderes: In Würzburg erhöht sich die Wartezeit auf 40 Minuten. Deshalb wird die Gesamtfahrzeit nach Stuttgart 21 bei 6h33 liegen – genüber heute 6h mit dem IC und 6h25 mit dem RE. Die 5h30 werden also noch für lange Zeit ein Traum des Vielfahrers bleiben.
Crailsheim wird zum Knoten, an dem für Aalener nichts mehr funktioniert
In Crailsheim sollen sich in Zukunft der ICE von und nach Nürnberg begegnen. Da sie hoffentlich beide über Aalen fahren und dazu die eingleisige Strecke nach Ellwangen nützen müssen, dürfen sie keinerlei Verspätung haben, ohne sich gegenseitig zu behindern. Leider war dieser ICE derjenige Zug, der im Stresstest weder bei der Haltedauer noch bei den Fahrtzeiten irgendwelche Puffer eingebaut hatte und dem sowohl vor als auch hinter Stuttgart Konflikte mit der S-Bahn bescheinigt wurden.
Von Aalen mit dem RE kommend würden die Anschlüsse in Crailsheim weder nach Lauda noch nach Schwäbisch Hall erreicht, in der Gegenrichtung sogar aus Ansbach nicht.
Mehr Pendlerzüge in den Hauptverkehrszeiten – mit weniger Sitzplätzen
Die gute Nachricht: Aalen würde mit S21 die alten Silberlinge verlieren und bekäme dafür neue Doppelstockwagen und eventuell werden sogar mehr Züge auf der Strecke nach Stuttgart fahren. Das ginge zwar auch ohne S21 aber immerhin. Mit S21 hätten die Züge wegen der doppelten Gleisbelegung im geplanten Tiefbahnhof Stuttgart aber leider eine beschränkte maximale Länge, die dazu führt, dass zu den Hauptverkehrszeiten weniger Sitzplätze auf der Strecke Aalen-Stuttgart zur Verfügung stünden.